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21. Juli 2017
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21. Juli 2017

Bernhard Eder ( Österreich )

Bernhard Eder ( Österreich )
Mi. 23.Aug 2017

Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: FREI! Für die Musiker gehen wir mit dem Hut rum.

Remake
Bernhard Eder

Ein gutes Coveralbum aufzunehmen ist wahrlich keine leichte Aufgabe.
Über das »nachspielen« fremder Songs kann vortrefflich gestritten werden.
Bernhard Eder hat sich nun dieser Herausforderung angenommen und
wer das umtriebige Multitalent kennt, der weiß, hier ist etwas Größeres
geschehen. Ein genreüberschreitender Streifzug durch die Musikgeschichte,
so gekonnt in den eigenen musikalischen Kontext versetzt, dass es sich ein
ums andere Mal um einen (un-)echten Eder handelt.

Es mag kaum überraschen, dass Eder sich endlich
einem vollumfänglichen Coveralbum gewidmet hat.
Die Idee dazu war längst geboren, schließlich hatten
es bereits einige Fremdversionen auf seine SingleB-Seiten
geschafft; auf zahlreichen Samplern waren
seine exklusiven Cover vertreten. Die Zeit war reif, um
sich auf dem weitläufigen Spielplatz der Musikhistorie
auszutoben.
Remake jedoch startet augenzwinkernd mit der
vollen Breitseite Rock’n’Roll-Klischees. Leichtfüßig
enteignet Eder den Gallagher-Brüdern ihren »Rock’n’
Roll Star«, der sich dergestalt schnell als beschwingte
Whistle-Nummer entpuppt und so einmal mehr
beweist, wie herrlich Selbstironie vertont klingen
kann. Dass die angesprochene Leichtfüßigkeit auch
melancholiekompatibel ist, zeigt das zum Duett
gewordene »I‘m crying (Mother‘s Tears)«, welches Mira
Lu Kovacs als kongeniale Partnerin in Szene setzt. Es ist
nicht einfach nur Eders Gespür, bestehendes Material
in neues Licht zu rücken, es ist auch das glückliche
Händchen, fraglos talentierten Neulingen der Branche
eine Bühne zu bereiten.
»Und da war dann auch noch der plötzliche Tod von
David Bowie.« Während die Musikwelt sich in der ersten
Zeit nach Bowie mit Coverversionen seiner größten
Erfolge überschlug, sucht Eder gezielt am angeblichen
Tiefpunkt einer Weltkarriere – und wird fündig. Wie
eigens auf ihn zugeschnitten kommt »Never let me
down« daher. Ein am Ego übermotivierter Produzenten
gescheiterter Song, dessen starke Komposition nach
fast dreißig Jahren endlich Gerechtigkeit erfährt.
Doch ist die genreübergreifende Sammlung nicht nur
dem Suchen nach passendem Material geschuldet.
Manchmal sind es die Songs, die Bernhard Eder finden.
Unvermittelt, mehr aus einer Stimmung heraus entstand
»Heite Drah I Mi Ham«. Einer dieser Klassiker, die man
gefälligst nicht anzurühren hat. »Ich hatte den Song
zufällig gehört und plötzlich das Bedürfnis, ihn auf der
Stelle zu covern.« Nach zwei Tagen war alles im Kasten.
Düster, getrieben, reduziert und in seiner Klarheit
besorgniserregend schön.
Bernhard Eder führt die eigenen Bedenken, nicht auf
Langspielerlänge überzeugen zu können, gekonnt ad
absurdum. Remake ist nichts anderes geworden, als ein
weiteres, wunderbares Bernhard Eder-Album, dessen
positive Schwermut über allem liegt. Das dünne Eis,
auf welches sich Musiker mit Coverversionen wagen, es
hält der homogenen Mischung mühelos stand. Es ist die
Kunst, das Adaptierte in die Summe der einzelnen Teile
zu zerlegen, es in Frage zu stellen, dem eigenen Schaffen
anzupassen und das Übriggebliebene wiederzubeleben.
Die zehn handverlesenen Stücke wurden einverleibt,
geradezu eingeatmet, bis zur Unkenntlichkeit mögen die
einen sagen, bis es ein echter Eder ist, die anderen.
—Anna-Luisa Rudolph